Selina Zürrer

info@selinazuerrer.ch


2018, Mai–

the polychrome
antiquity campaign

Winterthur / Zürich, CH
Mixed Media Installation
Website: www.polychromeantiquity.com


Seit geraumer Zeit beschäftigt sich Selina Zürrer mit dem Fakt, dass die Antike sehr viel farbiger war als sie in unserem – im kollektiven – Bewusstsein erscheint. Wenn die Antike und die «römische Nase» automatisch in Weiss vor dem inneren Auge erscheinen, ist etwas in der Allgemeinbildung schiefgelaufen. Das Weiss des oft verwendeten Marmors für antike Statuen diente bloss als Malgrund, als Leinwand. Sämtliche Statuen wurden damals bemalt. Die Farben können mit neueren Technologien nachgewiesen und analysiert werden. Die Antike war farbig und bunt. Polychrom. Die Frage nach den Gründen für den massiven Farbunterschied zwischen dem Erscheinungsbild der Antike im kollektiven Gedächtnis und der effektiven Erscheinung einer Statue in der Antike wirft weitere Fragen auf: Mit was wird die «weisse Antike» oder die Farbe Weiss an sich assoziiert? Wer steht hinter der Geschichtsschreibung dieser Antike? Welche Visualisierungen der Antike wurden von wem wie vermittelt?

Mit «The polychrome antiquity campaign» startet Zürrer eine Kampagne. Sie nutzt die Einzelausstellung im kunstkasten, um die Bedeutung der Farbigkeit der Antike ganz lokal einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ein globaler Diskurs zur Thematik existiert bereits. Zürrer ist auf verschiedenen Ebenen aktiv. Bildmaterial wird analog und digital eingesetzt und verbreitet. Gängige Werbemittel werden zu Logoträgern. Auf einer Webseite kann mitdiskutiert und unter dem Hashtag #polychromantiquity können eigene Bilder zur Thematik hochgeladen werden. Der kunstkasten wird zu einem Zentrum der Kampagne, worin sich Spuren und weiterführende Verweise sammeln. Zürrer nutzt die Methode der Kampagne als spielerische Art der Vermittlung und Mobilisierung für ein Anliegen, das aktueller und politischer ist, als es auf den ersten Blick scheinen mag.

Text: Judith Weidmann


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