



1673, Riss ist eine grossformatige Wandzeichnung, die einen historischen Kachelofen in seine einzelnen Ansichten zerlegt. Die architektonischen Gliederungen und Verzierungen bleiben erhalten, während die ursprünglichen Bildfelder leer sind.
Der dargestellte Winterthurer Kachelofen wurde 1673 für das Rathaus in Bülach hergestellt. Anhand technischer Zeichnungen überträgt Zürrer dessen dreidimensionale Form in eine zweidimensionale Darstellung. Dabei werden die einzelnen Seiten des Ofens nicht geometrisch korrekt abgewickelt, sondern frontal nebeneinander angeordnet. Die räumliche Konstruktion wird dadurch verändert und als ausgedehnte Wandzeichnung in Originalhöhe wiedergegeben.
Die Arbeit ist Teil einer umfassenderen Auseinandersetzung mit historischen Winterthurer Kachelöfen, deren Bildprogramme, Formen und Funktionen Zürrer auf unterschiedliche Weise dekonstruiert. Winterthur war im 17. Jahrhundert ein bedeutendes Zentrum der Hafnerkunst. Die dort hergestellten, oft mehrere Meter hohen Öfen bestanden aus zahlreichen bemalten Keramikkacheln. Sie dienten als Wärmequelle, Möbel, Teil der Architektur und Bildträger, deren Darstellungen häufig moralische Vorstellungen vermittelten.